Wo betet man eigentlich zu den Basketball-Göttern? In einer Kathedrale wohl kaum. Zudem ist in Hamburg weder von einer St.-James- noch einer St.-Jordan-Kirche etwas bekannt. Es wird bis auf Weiteres das Geheimnis von Benka Barloschky bleiben. Einen Draht nach ganz oben scheint der Trainer der Veolia Towers Hamburg zu haben. Er wird ihn in den kommenden Wochen gebrauchen, damit die Hoffnung der Wilhelmsburger auf den Einzug in die Play-ins der Basketball-Bundesliga nicht erlischt. Am Freitagabend verloren sie beim Syntainics MBC Weißenfels nach zuvor drei Siegen in Folge mit 94:99 (20:31, 21:19, 32:16, 21:33). Sechs Partien verbleibenden, um sich noch für die Zwischenrunde zu qualifizieren. Die Towers sind auf den ersten Blick ein seltsames Team in dieser Saison. Einem Katastrophenstart mit acht Niederlagen in Serie folgte ein bemerkenswerter Aufschwung, Siege gegen Topmannschaften inklusive. Dann folgen jedoch regelmäßig scheinbar unerklärliche Einbrüche, vor allem zu Anfang von Spielen oder direkt nach der Halbzeit. In Weißenfels befeuerte ein 0:10-Beginn diese Beobachtung. Zugleich könnten sich die Schwankungen einfach erklären lassen. Konstanz ist auch immer eine Frage der Qualität. Die ist bei den Hamburgern nach vier Nachverpflichtungen im Mittelfeld der Tabelle, aber nun mal nicht auf dem Niveau, auf dem permanent herausragende Leistungen zu erwarten sind. Barloschky bestärkte seine Auswahl daher während der ersten Auszeiten, anstatt sie mit Kritik zu überziehen. Wir müssen ruhig bleiben und dürfen nicht den Kopf verlieren, sagte der 38-Jährige entsprechend zur Halbzeit. Wenn seine Spieler nicht versuchen, Home-Runs landen zu wollen, sondern weiter unseren Stil spielen, werden uns die Basketball-Götter belohnen, so Barloschky. Die Götter erwiesen sich als gnädig. Kurz nach dem Seitenwechsel gingen die Towers, die diesmal noch auf Martin Breunig verzichten mussten, durch zwei Freiwürfe von Zacharie Perrin erstmals in Führung (53:52/24.). Mehr noch: Devon Daniels warf, als hätte nun die Hand Gottes. In Folge setzten sich die Gäste komfortabel ab. Das Schlussviertel ging allerdings vollends in die Binsen. Die Verteidigung der Türme brach wieder ein, dazu ließen sie wertvolle Zähler an der Freiwurflinie liegen. Ein letztes Stoßgebet von der Dreierlinie zum Ausgleich von Daniels ging eine Sekunde vor dem Ende daneben. Letztlich ist nach dem schwachen Saisonstart aber allein der Klassenerhalt ein Geschenk Gottes für die Towers. Wir haben viel investiert und richtig gemacht. Das zweite und das dritte Viertel haben wir sehr, sehr guten Basketball gespielt, aber es leider nicht geschafft das Spiel im letzten Viertel nach Hause zu bringen. Der MBC hatte im letzten Viertel eine unfassbare Trefferquote, sagte Barloschky. Wir hätten es verdient gehabt, hier zu gewinnen, daher tut die Niederlage besonders weh. Ein bisschen mehr Effizienz von der Freiwurflinie hätte uns schon gereicht. Wenn wir so weiter spielen, können wir noch ein paar Siege einfangen.