Wenn im Mannschaftssport von einem Schlagabtausch die Rede ist, deutet das normalerweise auf eine spannende Partie hin. Im Fall des Gastspiels der Veolia Towers Hamburg bei Vizemeister ratiopharm Ulm war das leider wörtlich zu nehmen. Und am Ende waren die Wilhelmsburger beim 72:81 (17:29, 15:13, 19:19, 21:02) zu allem Überfluss auch noch die knapp Geschlagenen. Damit kann die Mannschaft von Trainer Benka Barloschky auch rechnerisch nicht mehr direkt die Play-offs der besten sechs Mannschaften der Basketball-Bundesliga erreichen, was vorab aber schon komplett unrealistisch war – wie bei gesundem Menschenverstand nun endgültig auch ein Einzug in die Play-ins (Plätze sieben bis zehn). Es war also ein rundum unangehmer Sonnabendabend für die auf dem 13. Rang herumdümpelnden Türme. Der hatte eine Sekunde vor Ende des ersten Viertels begonnen, als der Ulmer Christopher Ledlum seinen Ellbogen in Richtung der Magengrube von Zacharie Perrin schwang. Abgesehen davon, dass solche Aktionen immer unnötig sind, war diese nicht ansatzweise nachvollziehbar. Der Towers-Center hatte erfolgreich per Dunk abgeschlossen, Ledlum im Anschluss weder provoziert noch berührt. Ob nun Affekt, Langeweile oder Boshaftigkeit – Ledlums Verhalten war hirnrissig. Das Schiedsrichtertrio überprüfte die Szene im Anschluss am Videomonitor, entschied sich dann gegen eine Disqualifikation des US-Amerikaners. Der Kontakt sei dafür zu sanft gewesen, es habe keine Intention vorgelegen, Perrin mutwillig zu verletzen. So wurde Ledlum nur mit einem unsportlichen Foul belegt. Aber der Ton für eine raue Partie war gesetzt, im zweiten Viertel beförderte Ulms Nelson Weidemann eine Kontaktlinse von Hamburgs Spielmacher LJ Thorpe aufs Parkett, allerdings versehentlich. Weidemann stand dann erneut im Mittelpunkt, als der Nationalspieler unmittelbar vor der Pause beim Korbleger von Towers-Guard Devon Daniels geschubst wurde, danebenwarf und vergeblich auf den Foulpfiff wartete. Das wiederum brachte seinen Trainer Ty Harrelson auf die Palme, der aufs Feld stürmte und dafür mit einem technischen Foul belegt wurde. Es war mir ein bisschen viel. Je mehr man davon zulässt, desto weniger sieht es nach Basketball aus, beklagte sich Barloschky, der sich ebenfalls ein technisches Foul wegen Meckerns einhandelte (in der Halbzeit über die Linie der Referees). Zugleich habe er seiner Mannschaft, in der Kapitän Benedikt Turudić (Hüftbeuger) fehlte, gesagt, dass sich daran wenig ändern lasse. Da müssen wir durch. Kamen sie aber nicht. Das Spiel verloren die Gäste schließlich weniger wegen des harten Einsteigens des neuen Tabellenfünften oder ausbaufähiger Schiedsrichterleistungen, sondern aufgrund eigener Insuffizienz. 16-mal gaben die Hanseaten den Ball ab. Die Dreipunkteausbeute von 24,2 Prozent (acht von 33) war miserabel. Die Hoffnung, die nach einem 10:0-Lauf auf 46:51 (27.) aufkeimte, war nur von kurzer Dauer. Mit so einer Quote kannst du eine schwache Anfangsphase nicht mehr ausgleichen, sagte Martin Breunig, der das Match mit einer Art Krieg verglich. In diesem habe sich sein Team immerhin nicht ergeben. Wir haben hart gekämpft. Ich hoffe, das hat man gesehen. Das hat man.